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Der Deal



Brasilien, Indien, Südafrika - interessiert waren viele Länder an der Dortmunder Anlage, mehr als den Verschrottungspreis wollte allerdings keiner bieten. Nur Luan Wei, Chef des in Bochum ansässigen Handelshauses Famous Industrial, war bereit, für die Kokerei samt Demontage und Transport zu investieren - insgesamt 60 Millionen Euro, wie trotz Stillschweigensvereinbarung unter den Verhandlungspartnern bekannt wurde. Experten vermuten, dass der reine Kaufpreis dabei etwa die Hälfte betragen haben dürfte.
Der ernorme Stahlbedarf im boomenden China und seine guten Verbindungen in die Heimat, so Luans Kalkül, sollten es ihm leicht machen, die Kokerei an ein chinesisches Unternehmen weiterzuverkaufen. Durchaus ein riskantes Geschäft, obgleich er schon einige Werke aus Europa ins "Reich der Mitte" geholt hatte - darunter 48 in Deutschland als ineffizient geltende Industrieanlagen wie etwa die Kohleaufbereitungswerke in Bergkamen und Hückelhoven. Luans Strategie ging auf. Nur zwei Monate nach Vertragsunterzeichnung mit der DSK fand er im Januar 2003 einen potenten Interessenten: Der staatliche Konzern Yangkuang wollte die Anlage in der Stadt Jining in der nordöstlichen Provinz Shandong betreiben und schickte kurzerhand die ersten Ingenieure nach Dortmund, um eine der größten Industrieumsiedlungen der Geschichte und zugleich die weltweit erste Verlagerung einer Kokerei zu planen.
Die Nachfrage der Chinesen an ausländischen Werken nimmt derweil zu und lässt Luans lukrative Geschäfte gedeihen. So geht für media/imagestrial die Suche nach ausgedienten Kokereien und anderen Werken weiter. Das sogenannte "Goldene Demontagezeitalter" hat erst begonnen.


"Was die Arbeitsdisziplin angeht, kommt es allein auf die Solidarität an. Das ist wie im Krieg bei einer Truppeneinheit. Wenn alle Truppen solidarisch sind, gewinnen sie die Schlacht, sonst verlieren sie. Wichtig ist das Bewusstsein der Verantwortung füreinander. Das kann man auch als kollektives Ruhmgefühl bezeichnen. Nur so sind wir unbesiegbar, also gewöhnt euch um."

Li Xing Wang, Chef Stahlbau