Film

Der Drache boomt



"Wenn der Drache erwacht" - so philosophierte einst Napoleon über China - "erzittert die Welt." Dieser Fall ist so gut wie eingetreten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Kommunistische Partei per Hauruck-Verfahren und einem verschärften Kapitalismus das Land mit einer völlig neuen Infrastruktur versehen und damit die Grundlagen für einen gigantischen Wirtschaftsboom gelegt. In der Zwischenzeit hat das "Reich der Mitte" die Rangfolge der bedeutendsten Länder in der Wirtschaftswelt sichtbar verändert: Vor Erzrivale Japan ist es bereits die drittgrößte Exportnation, und Experten rechnen damit, dass das Land in wenigen Jahren auch Deutschland als Exportweltmeister ablösen wird. Denn schon heute werden in China 109 Millionen Fabrikarbeiter gezählt - mehr als doppelt so viele wie die insgesamt 53 Millionen Fabrikarbeiter aller G7-Staaten. Der Vorsprung dürfte sich in den kommenden Jahren sogar noch vergrößern, nicht zuletzt, weil ein beachtlicher Anteil der globalen Industriekonzerne und selbst Mittelständler im Niedriglohnparadies China produzieren lassen.

Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis wann auch die Bereiche Forschung und Entwicklung nach Fernost wandern, schließlich verlassen jährlich rund 550.000 neu ausgebildete Ingenieure und Naturwissenschaftler die chinesischen Universitäten - mehr als dreimal soviel wie vor zehn Jahren.

Auch wenn mit den Chancen täglich die Risiken wachsen - vom Arbeiter bis hin zur Parteispitze wird bereits von einem "chinesischen Jahrhundert" geträumt - und das mit guten Argumenten: China entwickelt sich schneller als jeder anderer Staat, und da in den ländlichen Gebieten des Riesenreiches Hunderte Millionen Arbeiter auf ihre Chancen warten, scheint kein Ende in Sicht. 10,2 Prozent im vergangenen Jahr, 9,5 Prozent in diesem Jahr, 8,8 Prozent in 2007 - in diesem Ausmaß wächst China nach den Angaben der Asian Development Bank. Angesichts dieser Entwicklung fragen sich hierzulande immer mehr Menschen: Wo bleibt da der Westen? Die Angst, von Fernost überholt zu werden und den Anschluss zu verpassen, hat Deutschland und Europa längst erreicht, konkrete Antworten lassen hingegen auf sich warten. Während Luis de Leon, Managing-Director der Deutschen Bergbautechnik, fordert, die Deutschen müssten chinesischer werden, schaut sich die hiesige Industrie vermehrt in China um: Rund 2.000 deutsche Firmen haben sich dem Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zufolge in China in Joint Ventures eingekauft oder sind mit eigenen Unternehmen vertreten - darunter auch ThyssenKrupp oder die RAG.