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Abbruch West



Nur wenige rostige Schilder erinnern heute noch an das einstige Zentrum der deutschen Kohle- und Stahlindustrie - mit der Dortmunder Kokerei Kaiserstuhl ist das letzte Relikt des Montanzeitalters an der Ruhr verschwunden. Dabei hatte die Deutsche Steinkohle (DSK), Tochter des RAG-Konzerns, große Pläne, als sie nach fünfjähriger Bauzeit das Werk 1992 in Betrieb nahm. Die 650 Millionen Euro teure Anlage, weltweit die modernste ihrer Art, sollte das benachbarte Stahlwerk der damaligen Hoesch AG für viele Jahre mit Koks versorgen - gemäß eines langfristigen Vertrags, der vorsah, dass deutsche Stahlwerke deutschen Koks kauften. Als der Vertrag jedoch 1999 auslief und Hoesch vom Krupp-Konzern geschluckt wurde, steuerte die hiesige Stahlindustrie um: Fortan bezog man Koks aus China und Polen - fünfzehn Euro pro Tonne billiger. Das Ende von Kaiserstuhl nahm seinen Anfang und wurde endgültig besiegelt, als Thyssen und Krupp Ende der Neunziger Jahre fusionierten und beschlossen, die gemeinsame Produktion in Duisburg zu konzentrieren. Der Standort Dortmund hatte damit ausgedient - nach nur acht Jahren Betriebszeit wurden die Öfen von Kaiserstuhl stillgelegt und die etwa 450 Arbeiter in andere Werke der DSK oder in die Arbeitslosigkeit geschickt.